Keine schlechten Geschichten mehr


Manchmal erzählen wir uns selbst Geschichten in unserem Kopf und glauben an den erdachten Verlauf, den wir auf dem „Holodeck“ unseres Geistes erschaffen haben - ob es wahr ist oder nicht.



Die Gelegenheit, die sich uns nun angesichts so einer Show bietet, ist nicht nur zu erkennen, welches schöpferische Potential wir in uns tragen, sondern sie besteht gleichsam darin, unsere Perspektive zu wechseln und ein Stück zurückzutreten. Auf diese Weise können wir zum Beobachter unserer geistigen Aufführungen werden und diese loslassen, damit unser Geist und unser Bewusstsein wieder ruhen, durchschnaufen und eine verdiente Pause einlegen können.

 

Mentales Fabulieren kann unnötige Ängste und zusätzlichen Stress in unser Leben bringen. Selbstverständlich kann im positiven Fall auch das Gegenteil davon eintreten. Allerdings können manchmal auch positive Absichten, unseren Geist blockieren. Diesbezüglich kann unsere Ego ziemlich hartnäckig an Gedanken festhalten, in denen wir für etwas kämpfen und leiden müssen, auch wenn am Ende alles gut für uns ausgeht. Genau hier eröffnet sich uns die Möglichkeit, wieder die Oberhand sowie die Kontrolle über solche destruktiven, oder einschränkenden Gedanken zu erlangen.

 

Hier einige Beispiele, die illustrieren, wie unser Geist manchmal gegen uns arbeitet, anstatt in seinem natürlichen, stillen Zustand zu verweilen:·

  • Verteidigung des Bedürfnisses im Recht zu sein.·
  • Bewertung von anderen, aber auch von sich selbst - vor allem wenn es um die Beurteilung geht, wessen Meinungen oder Aussagen, falsch sind.·
  • Das Infragestellen und Anzweifeln von Fähigkeiten, dem eigenen Selbstwert, oder dem eigenen Wohlsein.·
  • Die Neigung, um jeden Preis einen Schlussstrich, bzw. ein Schlusswort, setzen zu müssen.·
  • Das Festhalten an Gedanken, die Sorgen, Angst und Zweifel auslösen.·
  • Das Gefühl, dass wir Probleme und Schwierigkeiten sofort lösen müssen, ohne dass wir uns dazu die nötige Zeit und Gelassenheit, einräumen.·
  • Das Herumtragen unnötiger Schuldgefühle, Vorurteile, oder einem Gefühl des Bedauerns.

Nimm eine Auszeit von dem, was du dir auf deiner mentalen Ebene über dich selbst erzählst.

 

Jetzt ist es an der Zeit, all diese fiktiven Geschichten loszulassen und sie nicht mehr festzuhalten. Beende den Kampf in dir selbst und erlaube den Streitkräften in deinem Kopf, eine wohlverdiente Waffenpause einzulegen.

 

Vielleicht stellst du fest, dass es tatsächlich Dinge gibt, die schnellstmöglich angegangen werden müssen. Ja, möglicherweise gibt es Probleme, Schwierigkeiten, Hindernisse und Dinge, die jetzt auf eine Lösung warten. In den seltensten Fällen, ist es jedoch effektiv, Lösungen erzwingen zu wollen.

 

Werde dir über die Geschichten bewusst, die du dir selbst erzählst. Einmal in das Licht deines Bewusstseins gerückt, kannst du ein Ritual daraus machen und lernen, wie du sie wieder loslassen kannst.

 

Wenn du partout an einer Geschichte festhalten willst, frage dich selbst:·

  • Wer bin ich ohne diese Geschichte?·
  • Welcher Teil von mir hält an dieser Geschichte fest, weil er dadurch glaubt Sicherheit und Bestätigung zu bekommen?·
  • Welcher Teil meiner Geschichte ist so mit meiner Persönlichkeit verbunden, dass ich die Befürchtung habe, dass ich etwas von meiner Identität verliere, sobald ich diesen Teil loslasse?

Befreie dich von jeder geistigen und körperlichen Anspannung und erlaube es dir in diesem Moment auszuruhen. Nimm einen tiefen Atemzug und versuche in diesem Augenblick an nichts anderes zu denken, als an deine Atmung.

 

Falls es dir schwer fällt gedanklich loszulassen und du hartnäckig an deinem inneren Film festhältst, musst du dir einfach nur genügend Freiraum und Zeit schenken. Geduld ist die liebevollste Antwort auf diese Reaktion. Denke daran, es gibt im Moment nichts, dass du erzwingen und übers Knie brechen musst. Das Problem jetzt sofort nicht zu lösen, bedeutet nicht, dass du der Problembewältigung aus dem Weg gehst.

 

Sei dir der Geschichte in deinem Kopf vollkommen bewusst und dann, nur für diesen Moment, lässt du sie los und kommst innerlich zur Ruhe.

 

Die Übung: Lass deine Geschichte los!

 

Werde dir über die Geschichte, die dir dein Geist erzählt, vollständig bewusst. Beschreibe die Kernaussage deiner Geschichte auf einem Blatt Papier. Beschreibe sie in einem Satz und zwar so spezifisch und zutreffend, wie möglich.

 

Beginne mit: Die Geschichte, an der ich mich innerlich festzuhalten entschieden habe, ist: __________________________________________________________________

 

Ergänze nun den Satz so vollständig und treffend wie möglich. Sobald du merkst, dass deine Zusammenfassung, den wesentlichen Inhalt deiner Geschichte, möglichst exakt wiederspiegelt, nimmst du das Blatt Papier und faltest es zusammen.

 

Jetzt suchst du dir einen geschützten und sicheren Platz, damit du das Blatt Papier gefahrlos anzünden kannst, bis es vollständig verbrennt.

 

Deine Absicht dabei ist es, deine Geschichte, während dieses symbolischen Akts, loszulassen. Nur für diesen Moment. Sei gegenwärtig. Atme regelmäßig tief ein und aus, während das Feuer deinen Zettel in Asche verwandelt.

 

Verwende dieses Ritual, um deinem Geist auf diese Weise eine klare Botschaft zu senden und ihm damit zu signalisieren, dass du bereit dazu bist, die Geschichte nun loszulassen. Aber auch, dass du bereit dazu bist, einen neuen Ausgang deiner Geschichte zuzulassen. Gib dir danach die Zeit, die du brauchst, damit du in einen Zustand der inneren Ruhe und Entspannung gelangen kannst.